Weiterbildungsverbund 06.09.2011

eingestellt von Dr. Hubertus Koenen

Die niedergelassenen Ärzte des Gesundheitsverbundes Jülicher Land (GVJL e.G.) und die ctw-Krankenhäuser St. Josef Linnich und St. Elisabeth Jülich wollen gemeinsam dem in den nächsten Jahren zunehmenden Ärztemangel entgegentreten und zusammen junge Ärzte zum Allgemeinmediziner/Internist weiterbilden.

Ziel ist, junge Ärzte langfristig für eine Praxisübernahme oder für den Dienst im Krankenhaus in der Region zu begeistern und zu binden. In den nächsten Jahren ist zu erwarten, dass auch in der Jülicher Region die Zahl der Hausärzte aufgrund fehlender Nachfolger für in den Ruhestand tretende Kollegen deutlich abnehmen wird. „Dies gefährdet die seit Jahrzehnten bestehende qualifizierte hausärztliche Versorgung erheblich“, so Dr. Scholz vom GVJL. Zurzeit besteht noch keine Unterversorgung im Jülicher Land, aber häufig fehlt es schon an Studienabgängern, die bereit sind, sich in der Zukunft der Herausforderung „Hausarzt“ in einer ländlichen Region zu stellen. GVJL und die kooperierenden Krankenhäuser streben deshalb an, bereits Studierende vor ihrem Studienabschluss auf die Möglichkeiten der Weiterbildung in einem Weiterbildungsverbund zwischen Krankenhäusern und Arztpraxen aufmerksam zu machen. Die Krankenhäuser und der GVJL bieten Interessenten direkte Ansprechpartner, um in persönlichen Gesprächen individuelle Weiterbildungslösungen anzubieten.

Die Weiterbildung Allgemeinmedizin/Innere Medizin dauert insgesamt fünf Jahre. Während dieser Zeit arbeitet der Arzt im stationären und im ambulanten Bereich, was in der Regel einen Arbeitgeberwechsel mit sich bringt. Dies zu organisieren, obliegt normalerweise ihm selbst, ist häufig mit Umzügen verbunden und im Vergleich zu anderen Facharztausbildungen dadurch unattraktiv. Hier ist der Ansatz für die Kooperation zwischen GVJL und den beiden Krankenhäusern St. Elisabeth und St. Josef: Die Weiterbildung im Verbund bietet eine qualifizierte, vorab konzipierte Weiterbildung Allgemeinmedizin/Innere Medizin an, nach deren Abschluss die Ärzte die Facharztkompetenz erlangen.

Durch die abgestimmte, gemeinsame Verbundweiterbildung zum „Allgemeinmediziner“ gibt es für interessierte Ärzte klare Ansprechpartner und abgestimmte Ausbildungspläne, orientiert an der Weitbildungsordnung“, erklärt Jann Habbinga, Kaufmännischer Direktor St. Josef-Krankenhaus. "Alle zu durchlaufenden Stationen befinden sich in der Region, so dass die Ärzte vor Ort in verschiedenen Kliniken und Praxen umfassend ausgebildet werden“, ergänzt Dr. Scholz vom GVJL - Wohnortwechsel entfallen damit. Durch die Vernetzung von niedergelassenen Ärzten und den beiden Krankenhäusern in der Region hat der Arzt während seiner Weiterbildung alle Ansprechpartner kennengelernt, so dass er bei einer eventuell später möglichen Praxisübernahme schon wichtige Kommunikationswege kennt. Dadurch wird die Voraussetzung geschaffen, dass in unserer Region ausgebildete Hausärzte nach ihrer Ausbildung den hiesigen Patienten erhalten bleiben. „Mit der Verbundweiterbildung haben wir die Chance, uns in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten dem Ärztemangel zu widersetzen, die hausärztliche Versorgung sicherzustellen oder Ärzte für den Klinikbereich zu bekommen“, sagt Dirk Offermann, Kaufmännischer Direktor am St. Elisabeth-Krankenhaus.

Für die Patienten ist eine vertrauensvolle, enge Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern sehr wichtig. Dies ist besonders durch die intensive Zusammenarbeit im GVJL e. G. möglich. Durch den gemeinsamen Krankenhausträger, die Caritas Trägergesellschaft West gGmbH (ctw), sind noch weitere Weiterbildungsmöglichkeiten in der Region möglich, so dass sich der junge Arzt nicht alleine um seine Perspektivmöglichkeiten kümmern muss. „Um die Versorgung der Patienten im Jülicher Land kümmern sich niedergelassene Ärzte und die Kollegen an den Krankenhäusern gleichermaßen. Deshalb ist die logische Konsequenz, auch gemeinsam für die Ausbildung zu sorgen und so dem Ärztemangel entgegenzutreten. Das geschieht vor allem zum Wohle der Patienten“, so Jann Habbinga, Kaufmännischer Direktor St. Josef-Krankenhaus Linnich.

 

Hintergrund:

Der 2003 gegründete GVJL umfasst nahezu alle niedergelassenen Ärzte der Region Jülich, Linnich, Aldenhoven, Titz und Niederzier. In ihm sind sowohl Hausärzte als auch Fachärzte genossenschaftlich organisiert. Die beiden Krankenhäuser St. Elisabeth in Jülich und St. Josef in Linnich (beide unter der Trägerschaft der ctw) sind ebenfalls Mitglied im GVJL. In den beiden Krankenhäusern gibt es die für die Weiterbildung notwendigen Fachabteilungen für Innere Medizin sowie für Chirurgie, eine Intensivstation und sie sind an der Notfallversorgung beteiligt. In den Abteilungen sind Fachärzte, die die dazugehörige Anerkennung haben, hauptberuflich tätig sind und über entsprechende Erfahrung verfügen. Die niedergelassenen Allgemeinmediziner haben ihre eigene Praxis in der Region. Auch sie verfügen über die notwendigen Anerkennungen und Erfahrungen. Die beteiligten Ärzte und Krankenhäuser bieten ein gemeinsames Weiterbildungsprogramm an mit der Zuordnung einzelner Abschnitte zu entsprechenden Weiterbildern. Für die Weiterbildungsassistenten gelten die Vorgaben der Weiterbildungsordnung. Sie erhalten zu Beginn ihrer Weiterbildung das komplette fünfjährige Weiterbildungsprogramm und ihre jeweiligen Arbeitsverträge. Durch geregelte Rotation und das verbindliche Curriculum ist die Facharztweiterbildung strukturiert und gesichert.

 

Weitere Informationen: K. Erdem, Caritas Trägergesellschaft West Düren


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