Milliardenlöcher durch Ärzte-Exodus 26.09.2009
eingestellt von Dr. Hubertus Koenen
Die Ökonomen des Instituts haben Mitte September in einer Studie („Abwanderung belastet Sozialkassen“) haarklein ausgerechnet, was es die öffentlichen Haushalte kostet, wenn eine 30jährige Fachärztin Deutschland den Rücken kehrt.
Ausbildungskosten (sprich Quersubventionierung ausländischer Gesundheitssysteme): 436.000 Euro. Entgangene Abgaben an den Staat während der Lebensarbeitszeit (z.B. Steuern): 639.000 Euro. Zusammengezogen ist das mehr als eine Million Euro. Auf welche gigantischen Summen man vor diesem Hintergrund durch den permanenten Ärzte-Exodus aus Deutschland kommt, hat unlängst die Frauenärztin Dr. Bärbel Grashoff, Vorstandsmitglied von MEDI Baden-Württemberg, angesprochen.
Die Niedergelassene aus Ulm wies darauf hin, dass laut einer Umfrage die meisten jungen Kollegen aus dem medizinischen Nachwuchs, die teuer durch Steuergelder in Deutschland ausgebildet wurden, nicht mehr in diesem Beruf - zumindest nicht mehr in Deutschland - arbeiten möchten.
Grashoff: „Bereits 2017 - das ist sehr bald!! - werden fast 19.000 Ärzte in Deutschland fehlen. Jährlich wandern allein über 2.500 Ärzte ins Ausland ab!“ Das Minus von 2.500 ist vor dem Hintergrund der ifo-Zahlen eine jährliche Quersubvention ins Ausland von einer Milliarde Euro. Empfänger sind solche „armen“ Länder wie der südliche Nachbar Schweiz.
Berechnet man den Totalausfall für die öffentlichen Kassen, ist der jährliche Schaden noch höher: Irgendeine Summe zwischen 2 und 2,5 Milliarden Euro. Denn es flüchten natürlich auch etwas ältere Ärzte in einen sinnvollen Mediziner-Alltag jenseits der Grenze. Vor einem Berufsanfang in Deutschland schrecken nach Grashoff aber in erster Linie viele Jungärzte zurück: „Die Perspektive einer sechsjährigen Ausbeutung im Krankenhaus mit anschließender Tätigkeit als KV-Sklave scheint nicht sehr attraktiv zu sein!“
Daneben bekämen junge, fertig ausgebildete Ärzte keine Kredite mehr, um eine Praxis zu übernehmen. Grashoff: „Auf einmal können die Banken nämlich rechnen und wissen, dass die Pleite bei der derzeitigen Honorierung vorprogrammiert ist.“ Damit ist der stetige Mediziner-Exodus ins Ausland ein Selbstläufer.